Der Sögeler Kreuzweg - Geschichte und Gegenwart

Ein neuer Kreuzweg steht auf dem Katholischen Friedhof in Sögel. Er verbindet und umschließt den alten mit dem neuen Friedhofsbereich. Nahezu 100 Jahre (1908 - 2004) stand auf dem alten Teil des Friedhofs ein von dem Münsteraner Bildhauer August Schmiemann geschaffener Kreuzweg. Der Bildstock einer alten Kreuzwegstation ist in der Friedhofskapelle angebracht worden. Der neue Kreuzweg ist nach Entwürfen von Prof. Dr. M. Monika Niermann (Kluse) gemeinsam mit dem Bildhauer Albert Radke (Sögel) in den Jahren 2002 bis 2004 konzipiert und ausgeführt worden. Beide Künstler arbeiten seit mehreren Jahren zusammen. Dabei ergänzen sich der bildnerische Ansatz Niermanns und die gestalterische Formgebung Radkes zu einer gelungenen künstlerischen Gesamtaussage.

 

Beide Künstler sehen sich in ihrem Schaffen einem schlichten, aussagestarken Symbolismus verpflichtet, der unter Einbeziehung des jeweiligen verwendeten Materials zu einer ästhetischen Konzeption findet. In dem von den Künstlern geschaffenen Sögeler Kreuzweg wird dieses Anliegen konsequent umgesetzt.

„Als meditativer Wegweiser" für den Sögeler Kreuzweg wurde herausgegeben: M. Monika Niermann/Albert Radke: Der Sögeler Kreuzweg, 20 Seiten, Goldschmidt-Druck, Werlte 2004.“

Bronzetafeln

 

Auf den Bronzetafeln, die für jede Station eine eigene Form aufweisen, sind die Bildaussagen auf das Wesentliche fixiert. Das heißt, die Bildaussage beschränkt sich auf das in der jeweiligen Station beschriebene Geschehen. Auf die Abbildung zusätzlicher Personen und Gegenstände, die als Beiwerk von der eigentlichen Aussage der Handlung ablenken, wurde bewusst verzichtet.

Als dominante christliche Symbole treten in der Bildaussage das Kreuz und die Dornenkrone hervor. Wir finden die Dornenkrone auf allen 14 Stationen. Das Kreuz erscheint auf 11 Stationen. Die Dornenkrone symbolisiert die Göttlichkeit, das Königtum Christi, den Siegerkranz des Ausgezeichneten: „Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit". Das Kreuz, Sinnbild der Vereinigung der gegensätzlichen Richtungen, symbolisiert den Sieg über den Tod, Symbol der Erlösung und des Lebens: „Des Königs Banner wallt empor, hell strahlt das heilge Kreuz hervor, daran den Tod das Leben litt und Leben durch den Tod erstritt". So verstanden drückt sich in den Bildern nicht ausschließlich Leid, Trauer und Tod aus, sondern Bekenntnis, Liebe und Zuversicht: „Seht, ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt".



Die Postamente

Gemäß der Konzeption des Sögeler Kreuzwegs unterscheiden sich die aus Ibbenbührener Sandstein gefertigten Postamente in ihrer Form voneinander. Sie umrahmen in ihrer Gestalt die Formen der Bronzetafeln. Während die Frontseiten durch die glatt geschnittene Steinstruktur die Bildaussage der Bronzetafeln schlicht unterlegen, weisen die roh behauenen Ränder wie auch die unbehauenen Rückseiten darauf hin, dass die Steine wie Stationen eines Lebensweges erscheinen: uneben, eigenwillig gebrochen. Im Handlungsverlauf des Passionsgeschehens lässt sich erkennen: Der Stein leidet mit und verleiht dem dargestellten Geschehen einen aussagekräftigen Rahmen. 



Bedeutung des Kreuzwegs als Meditationsweg

Seit vielen Jahrhunderten ist Jerusalem ein christliches Wallfahrtsziel. Obgleich die Stadt öfters zerstört wurde und sich die Straßenführungen geändert haben, zählt zu einer Pilgerreise nach Jerusalem die via dolorosa, den Kreuzweg, zu gehen und die Orte aufzusuchen, die an den Leidensweg Christi erinnern. Vom Mittelalter an entwickelte sich der Brauch, Kreuzwegstationen und Kalvarienberge zu errichten oder Kreuzwegbilder in Kirchen anzubringen, um den Gläubigen, denen die Pilgerfahrt nach Jerusalem nicht möglich war, den Leidensweg Christi nahe zu bringen.

Die 14 Stationen eines Kreuzwegs halten das Geschehen der Leidensgeschichte fest, das sich aus sieben Ereignissen aus der Heiligen Schrift und sieben Schilderungen aus apokryphen Schriften und Legenden zusammenfügt. War es Jahrhunderte lang üblich, den Kreuzweg als Leidensweg zu verstehen und vor allem in der Fastenzeit in Gebeten vor den Stationen das Leiden und Sterben Christi wachzurufen, soll mit der Gestaltung zeitgenössischer Kreuzwege eine Brücke zur Gegenwart, zum gelebten Leben geschlagen werden. Die Botschaft zeitgenössischer Kreuzwege lautet: Christus ist nicht für uns gestorben, dass wir in Trauer seinen Tod beweinen, sondern dass wir seine Botschaft verstehen und diese in unserem Alltag umsetzen.

Entsprechend soll auch der Kreuzweg in Sögel deutlich machen, dass in unserem Alltag Wege erkennbar sind, die sich mit den Kreuzwegaussagen kreuzen. Dergestalt kann der Kreuzweg insbesondere auch durch die eingemeißelten Worte Anstöße geben, nachzudenken, zu meditieren, zu fragen: Was sagt mir die dargestellte Handlung für meine Lebenssituation, für meine Empfindungen, Entscheidungen und Handlungsweisen. So kann der Kreuzweg für den Betrachter zu einem individuellen Wegweiser werden.