Altartisch und Kreuz

Der Entwurf für das Kreuz ist anders als bei der üblichen Kreuzform nicht an einer starren Konstruktion von diametral zugeordneten Linien ausgerichtet, wie sie in alter Symbolik Himmel und Erde als Schnittfigur von Horizontale und Vertikale ausdrückten. Im Entwurf erkennen wir eine symbolisierte Christus-Kreuz-Figur. Das Kreuz und der Korpus sind eins. Wie eine Gestalt neigt sich das Kopfteil und streckt die geöffneten Arme der Gemeinde entgegen. Es ist nicht der tote, nicht der gepeinigte und ans Kreuz geschlagene Christus, der hier symbolisiert wird, sondern der wiederentstandene oder gegenwärtige Christus/Menschensohn. Um dieses auszudrücken, reicht es eben nicht aus, eine Kreuzform bestehend aus einem Längs- und einem Querbalken an der Wand des Altarraums zu befestigen.

 

Die Abwinklung der Kreuzarme wie auch das vorgeneigte Kopfteil, lassen die Kreuzgestalt aus dem Altarraum in den Kirchenraum streben. Es soll eine Geste des Willkommenheißens, des Aufnehmens, des In-Empfangnehmens sein, die insbesondere ihren Ausdruck in den ausgebreiteten Armen findet. Selbst die Trinität ist im vorliegenden Entwurf wiederzuerkennen: Wie aus einem Baumstamm wachsen in Andeutung einer verästelnden Baumkrone drei ausladende Äste heraus.

 

Eine weitere wesentliche Aussage findet sich in der Anordnung der Kreuzfigur zum Altar. Kreuzfigur und Altar sollen nicht getrennt voneinander erscheinen. Aus dem Altartisch heraus bzw. wie hinter dem Altartisch stehend erwartet der "Tischherr" seine Gäste und nimmt sie in Empfang. Dergestalt bilden Kreuzfigur und Altartisch nicht nur optisch sondern auch symbolisch eine Einheit.

 

Viele Variationen von Tischformen finden wir in der Gestaltung von Altären. Die für die Stephanus-Kirche entworfene Form deutet einen ausladenen halbrunden Kreisring an, ein Halbrund, an dem symbolisch gesehen viele Platz finden können. Die halbrunde Altartischplatte schließt direkt an die hintere Wand des Altarraums an und umschließt mit einem Tischausschnitt die aus der Tischplatte herausragende Kreuzfigur. Der Tisch des Herrn versinnbildlicht hierdurch eine Einheit mit der Kreuzfigur.

 

Die Platte ruht - dem Trinitätsgedanken entsprechend - auf drei gleichgeformten Tischbeinen, die jeweils in der Form schlank ansetzen und sich wie bei einer tragenden Stütze nach oben zur Tischplatte hin ausweiten. Von der Vorderans icht her erscheint eine ausladende Mittelstütze, die Seitenstützen und die Querverstrebung treten optisch zurück. Von den Seiten her tritt jeweils nur eine tragende Tischbeinform in Erscheinung, auf der die Tischplatte aufliegt und hinter der die übrige Stützkonstruktion verdeckt bleibt. Auf eine Einarbeitung von Symbolen auf dem Altartischrand oder den Tischbeinen wurde bewusst verzichtet, um die Form des Tisches und die Aussagekraft des Holzes nicht zu zerstören. Zudem sollte dem Rechnung getragen werden, dass zumeist ein mit Symbolen besticktes Altartuch aufliegt und einen Teil der Mittelstütze verdeckt.